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Suho's white horse - Suho und sein weisser
Hengst
(Erzählung
mit Musik - Erzähllied)
In dieser Geschichte
geht es um die Entstehung eines Streichinstruments, das heute noch auf
den weiten Steppen der Mongolei erklingt, auf deren Ebenen seit ewigen
Zeiten die Nomaden und Hirten mit ihren Tieren dahinziehen. Das Instrument
heisst auf japanisch "Ba-too-kin" , zu deutsch "Pferdekopf-Laute".
Suuho war ein armer
Hirtenjunge, der mit seiner Grossmutter lebte. Jeden Tag huetete er mit
den anderen Hirten die Schafe. Suuho war beliebt, denn er arbeitete fleissig
und hatte ausserdem eine wunderbare Stimme. Oft baten ihn die anderen
, fuer sie zu singen und seine Lieder klangen weit ueber die Steppe. Eines
Abends verspaetete sich Suuho und seine Grossmutter machte sich Sorgen.
Als er jedoch nach Einbruch der Dunkelheit zurueckkehrte, trug er ein
neugeborenes, schneeweisses Fohlen in seinen Armen, das er allein und
verlassen auf weiter Flur gefunden hatte. Er hatte es mit nach Hause gebracht,
damit es nicht von den Woelfen gefressen wurde. Suuho zog das Hengstfohlen
selbst auf, und bald waren sie unzertrennlich.
Einige Jahre spaeter erreichte die Hirtengemeinschaft eines Tages die
Nachricht, dass der Koenig in der Stadt ein Pferderennen veranstalten
wollte, dessen Sieger seine Tochter zur Frau bekaeme. Die Hirten ermunterten
Suuho, an dem Rennen teilzunehmen. Und so machte er sich auf in die Stadt,
wo er bald darauf das Rennen mit grossem Vorsprung gewann. Der Koenig
befahl, den Reiter des weissen Hengstes vorzufuehren, damit er ihm die
Hand seiner Tochter reichen konnte. Als er jedoch die zerlumpte, erbaermliche
Gestalt des armen Hirtenjungen erblickte, erschrak er und wollte von der
Auslobung, dass der Gewinner des Rennens die Prinzessin zur Frau bekaeme,
nichts mehr wissen. Stattdessen wandte sich der Koenig an Suuho und sagte:
" Hier hast du drei Silbermuenzen als Preis. Das Pferd laesst du mir dafuer
da. Gehe jetzt!" Die Unverfrorenheit des Koenigs trieb Suuho die Zornesroete
ins Gesicht. Er erwiderte: " Ich kam hierher, ein Pferderennen zu gewinnen,
und nicht um mein Pferd zu verschachern!" Der Koenig, aber, liess sich
die Widerrede des Hirtenjungen nicht gefallen und befahl seinen Dienern,
den Jungen zu entfernen. Mit Tritten und Fausthieben schlugen sie ihn
bewusstlos und warfen ihn vor das Tor der Stadt.
Schwer verletzt und mit gebrochenem Herzen schleppte sich Suuho nach Hause,
wo ihn seine arme Grossmutter gesund pflegte. Obwohl seine Wunden mit
der Zeit verheilten und er wieder zu Kraeften kam, konnte er den Verlust
seines geliebten Baikal nicht ueberwinden. Er konnte und wollte das Pferd
nicht vergessen. Immerzu waren seine Gedanken bei Baikal, und er machte
sich grosse Sorgen, wie es dem praechtigen Tier seither ergangen sein
mochte. Der Koenig, unterdessen, konnte sein Glueck kaum fassen, ein so
schoenes und schnelles Pferd zu besitzen, um das ihn jeder beneiden wuerde.
Schon bald lud er sich viele Gaeste ein, denen er den weissen Hengst mit
grossem Stolz vorfuehren wollte. Als er jedoch den Sattel des Pferdes
besteigen wollte, stieg der Hengst und riss sich los. Wie der Wind jagte
er davon. Der Koenig aber, tief in seinem Stolz gekraenkt, schrie vor
Zorn.
Er befahl seinen Dienern, das Pferd einzufangen. Sollte ihnen das nicht
gelingen, mussten sie es mit Pfeilen erschiessen. Und weil keines der
anderen Pferde schnell genug war, Baikal einzuholen, spannten die Verfolger
ihre Bogen. Mehrere Pfeile bohrten sich in den Ruecken des Tieres. Baikal
fuehlte den stechenden Schmerz, aber er liess sich nicht aufhalten und
rannte weiter. Immer weiter rannte er, bis er endlich, von Schweiss und
Blut ueberstroemt, vor Suuho's Zelt ankam, wo er sofort zusammenbrach.
Suuho konnte den Anblick seines geliebten Baikal kaum ertragen. Er entfernte
die Pfeile, aus deren Einschussoeffnungen das Blut in Stroemen davonrann.
"Baikal, Baikal!" schluchzte der Junge, der auf dem Boden kauerte und
den Kopf des Hengstes streichelte. "Baikal, bleibe bei mir!" Aber schon
atmete das Pferd nur noch schwach und die Augen hatten jeden Glanz verloren.
Am naechsten Tag war Baikal tot.
Vor Kummer und Schmerz konnte Suuho naechtelang nicht schlafen. Als er
dann doch eines nachts vor Erschoepfung in einen tiefen Schlaf verfiel,
erschien ihm im Traume Baikal.Der weisse Hengst beugte sich zu dem Jungen
herab und strich ihm sanft mit seinen Nuestern ueber das Gesicht. "Suuho",
wisperte er in des Jungen Ohr, " du musst nicht allzu sehr um mich trauern.
Mache aus meinen Ueberresten ein Streichinstrument, das kannst du zu deinen
Liedern spielen. Dann koennen wir immer zusammen sein.
Gleich am anderen Tag machte sich der Hirtenjunge an die Arbeit und baute
nach den Anweisungen des weissen Hengstes das erste "Ba-too-kin" Egal,
wohin er von nun an ging, immer hatte er das Instrument bei sich, dessen
Klaenge ihn unweigerlich an seinen vierbeinigen Bruder erinnerten. Schon
bald gab es auch andere Ba-too-kin, und bis zum heutigen Tag erfreut sich
das Instrument grosser Beliebtheit unter den wandernden Hirten der mongolischen
Ebenen, die des Abends bei seinen Klaengen von den Strapazen ihres harten
Lebens entspannen und fuer wenige Stunden ihre Sorgen und Noete vergessen
koennen.
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